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FAQ zu Turbohefen
Soll der pH-Wert vor
oder während der Gärung reguliert werden?
Nein, die Regulierung des pH-Werts ist eine Aufgabe
des Turbokonzepts. Die Turbohefe gärt bei höheren
pH-Werten als man sie, beispielsweise, in Wein vorfindet.
Verändern Sie vor oder während der Gärung niemals
den pH-Wert in die eine oder andere Richtung.
Wir haben die Temperaturkontrolle vernachlässigt.
Während der Gärung wurde die für Hefe schädliche
Temperatur erreicht und die Gärung ist steckengeblieben.
Können wir durch Einsaat von mehr Turbohefe die
Gärung wieder in Gang setzen?
Nein, sobald der Alkoholgehalt der Gärmaische
5 bis 7%vol. erreicht hat, kann eine steckengebliebene
Gärung durch Einsaat mit (Turbo)hefen nicht
wieder in Gang gesetzt werden. Grund: die "Schwelle
der Alkoholverträglichkeit" der Hefe wurde überschritten
wurde. Es gibt nur wenige Hefen, mit denen eine
steckengebliebene Gärung bei über 7%vol. Alkohol
wieder in Gang gesetzt werden kann. Dazu zählen
in den meisten Fällen Stämme von Saccharomyces bayanus
(Turbohefe ist ein Saccharomyces cerevisiae-Stamm)
die zur Herstellung von Sekt, Champagner, usw. verwendet
werden.
Wir haben eine alte, traditionelle Brennanlage
und wohnen in einem warmen Land. Sogar die temperaturverträgliche
Hefe erleidet einen Wärmeschock und stirbt.
Was können wir tun?
Versuchen Sie, die Gärung zu drosseln, indem Sie
die Hefeeinsaat herabsetzen. Oder, falls Sie eine
Zuckerlösung vergären, dann fügen Sie den Zucker
portionsweise der Maische hinzu. Sorgen Sie dafür,
dass die Maische ständig gerührt wird (ggf. mit
Hilfe einer Pumpe, die die Hefezellen nicht beschädigt).
Ein einfacher Ventilator kann oft für Abkühlung
eines Gärbottichs sorgen. Oder Sie müssen die Maische
kühlen, indem Sie Beutel mit Eis oder kaltem Wasser
darin eintauchen. Auch einfache Mittel können hilfreich
sein! Wenn nichts hilft, müssen Sie einfach den
Alkoholgehalt in der Maische senken. Dadurch erreichen
Sie, dass die für Hefe schädliche Temperatur
steigt.
In Ihren Anweisungen steht, dass die Turbohefe
direkt der Maische untergerührt werden soll. Kann
man sie nicht, wie bei den meisten Hefen üblich,
erst in einer kleineren Menge Wasser vorquellen?
Nein. Wenn Sie das tun, baut sich zwischen dem Inneren
der Zellen und ihrer äußeren Umgebung innerhalb
von 15 Minuten ein derart großer Unterschied des
osmotischen Drucks auf, dass die Zellen buchstäblich
explodieren und sterben. Die Turbohefe ist osmotolerant,
weshalb man sie direkt in die Maische einrühren
kann, ja muss.
Bitte geben Sie uns einfache Anweisungen für
unsere erste Gärung mit Ihren Turbohefen
Beim
Einmaischen dürfen Sie auf keinen Fall den
pH-Wert der Maische nach unten korrigieren.
Warten Sie mit der Hefeeinsaat, bis die Maische
20 bis 25 °C hat.
Rühren
Sie die Turbohefe direkt in die Maische ein.
Die Turbohefe nicht vorquellen!
Sorgen
Sie für Umrührung während der Gärung.
Protokollieren
Sie Maischetemperatur und Extraktgehalt (z.B.
mit einer Oechslewaage) alle 24 Std., wenn möglich
in kürzeren Abständen. Verwenden Sie dazu das
Gärprotokoll.
Wird bei der Gärung
mit Turbohefen mehr Wärme gebildet als mit anderen Hefen?
Ja, und zwar ein mehrfaches an Wärme.
Können Turbohefen nach der Gärung wiederverwendet
werden?
Nein. VERSUCHEN SIE DAS NIEMALS MIT TURBOHEFEN,
und zwar aus folgenden Gründen:
Phospholipide.
Die Turbohefen werden in Gegenwart von Sauerstoff
gezüchtet. Das bewirkt den Aufbau sehr hoher
Phospholipidspiegel in der Zellmembran.
Die Gärung erfolgt dann in Abwesenheit von Sauerstoff.
Dabei werden diese Phospholipide verbraucht.
Nach der Gärung hat die Hefe ihren Vorrat
an Phospholipiden geleert. Dadurch ist sie
anfälliger geworden. Wird solche Hefe wiederverwendet,
bleibt die Gärung (höchst wahrscheinlich) stecken.
Trehalose.
Die Turbohefen enthalten ca. 15% Trehalose,
einen "schützenden" Zucker. Trehalose gibt
der Hefe eine "innere" Kraft. Sie ist außerdem
ein ausgezeichneter "Gärstarter", den die
Hefe zur Angärung verwenden kann. Bei Gärende
enthalten Hefezellen lediglich ca. 2%
Trehalose. Sie vertragen dann, beispielsweise,
den osmotischen Schock beim Einrühren in
die Maische nicht mehr.
Hefenahrung. Die Turbohefen können
nur zusammen mit (der ihnen beigemengten)
Hefenahrung richtig arbeiten. Während der
Gärung wird diese Hefenahrung verbraucht (Zucker
hat für Hefe keinen Nährwert). Wird nun versucht,
diese Hefe wiederzuverwenden, bleibt entweder
die Gärung stecken oder es werden vermehrt
unschöne Begleitaromen gebildet.
Das sind die drei wichtigsten
Gründe, weshalb man Turbohefen nicht wiederverwenden
sollte.
Wir wollen Maische zur Herstellung von Motorethanol
vergären. Geschmack spielt daher keine Rolle. Wir
können die Gärtemperatur konstant halten. Was schlagen
Sie vor?
Es gibt zwei Möglichkeiten mit meiner temperaturverträglichen
Turbohefe:
14%vol. Alkohol in 24 Std. bei 35 °C, oder 16%vol.
Alkohol in 2-3 Tagen bei 30 °C.
Können Turbohefen Stärke und andere Polysaccharide
vergären?
Nein, es ist wie bei allen anderen Hefen. Wenn Sie
andere Stoffe als Saccharose und einfache Monozuckerarten
vergären möchten, müssen Sie Amylase und Amyloglucosidase
(zusammen mit der Hefe hinzugefügt) verwenden, um
die nicht vergärbaren Polysaccharide in vergärbare
Zucker umzuwandeln.
Wir wollen Glukose anstelle von Saccharose vergären.
Müssen wir die Zucker-Dosierung ändern?
Ja, Sie benötigen 12,5% mehr an Glukose für den
gleichen Alkoholgehalt im Vergleich zu Saccharose.
Welche Spezifikationen muss Wasser für die Vergärung
von Zucker mit Turbohefen erfüllen?
Das Wasser muss trinkbar sein. Weiter nichts.
Wie lange kann Turbohefe gelagert werden?
Die Hefe kann 6 Monate bei 15-30 °C gelagert werden,
vorausgesetzt das die Verpackungen trocken gelagert
werden und unbeschädigt sind. Nach 6 Monaten
nimmt die Leistung ab, und nach 9 Monaten ist sie
schlecht. Beachten Sie, dass die Lebensfähigkeit
von Hefe ab 30 °C rasch abnimmt. Bei 35 °C verkürzt
sich die Haltbarkeit von 6 auf 2 Monate. Keller
eignen sich hervorragend zur Lagerung von Hefe,
vorausgesetzt dass sie trocken sind.
Durch Lagerung bei 4 °C verlängert sich die Haltbarkeit
um das 4- bis 5fache, bei 8 °C um das 2- bis 3fache.
Welches ist die bessere Turbohefe: die temperaturverträgliche
oder die alkoholverträgliche Turbohefe?
Die temperaturverträgliche Turbohefe ist viel leichter handzuhaben.
Sie funktioniert auch dann, wenn die Bedingungen nicht ganz optimal
sind. Sie vergärt etwas reintöniger als die alkoholverträgliche
Hefe (die aber auch sehr wenig unschöne Begleitaromen
bildet). Sie verträgt größere Temperaturschwankungen ( - allzu große
Schwankungen können jedoch auch diese Hefe schädigen) als die alkoholverträgliche
Turbohefe, bei der die Temperatur auf +-1 °C genau kontrolliert
werden muss. Die temperaturverträgliche Turbohefe ist daher
immer die erste Wahl. Nur wenn Sie mehr als 16%vol. Alkohol
erzeugen müssen, ist die alkoholverträgliche Turbohefe zu empfehlen.
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