Optimierung mittelständischer
landwirtschaftlicher Brennereien
Die
Optimierung mittelständischer landwirtschaftlicher Brennereien
erfolgt zweckmäßig in zwei Schritten:
Im
ersten Schritt werden die Bedingungen für eine optimale Hefevermehrung
im Hefegefäß ermittelt.
Im zweiten Schritt werden die Bedingungen zum Erreichen eines
optimalen Alkoholgehalts im Gärbottich herausgearbeitet.
Hefegefäß
- Theorie
Zweck
des Hefegefäßes ist die Hefevermehrung mit Erreichen
der optimalen Zellanzahl nach 5-7 Vermehrungsschritten in einem
den Produktionsverhältnissen angepassten Zeitraum. Dieses
Ziel wird in einem Zusammenspiel folgender drei Faktoren erreicht:
(1) die Einsaatmenge der Hefezellen, (2) die Vermehrungstemperatur
und (3) die Hefenahrung.
Zu (1): Was die Einsaatmenge an Hefezellen betrifft so gilt generell:
je höher die Einsaatmenge, desto kürzer die benötigte
Zeit bis zum Erreichen der optimalen Anzahl der Hefezellen.
Zu (2): Die Hefezellen vermehren sich in Abhängigkeit der
Temperatur (allerdings in gewissen Grenzen): je höher die
Temperatur, desto schneller die Vermehrung. Optimal für die
Vermehrung ist eine Temperatur von 30 - 33 °C.
Zu (3): Die Vitalität der Hefezellen wird entscheidend von
der ihnen zur Verfügung stehenden Ernährung beeinflusst.
Mit Vitalität ist hier gemeint: die Hefezellen sollen sich
nicht nur optimal vermehren, sondern - nicht weniger wichtig -
sie müssen auch während der sich anschließenden
Gärungsphase ihre optimale Leistung bringen. Gleich einem
Leistungssportler muss auch die Hefe dafür optimal ernährt
werden, und zwar benötigt sie hierfür nicht nur Stickstoff
und Phosphor (die sog. Makronahrung), sondern auch ein optimales
Angebot an Vitaminen und Spurenelementen (die sog. Mikronahrung).
Hefegefäß
- Praxis
Empfehlungen:
Zu (1) oben: Die empfohlene Einsaatmenge ist 0,5-1 g/l. Bei dieser
Einsaatmenge wird in der Regel die Optimale Zellanzahl nach 5-7
Vermehrungsschritten erreicht. Wird die optimale Zellanzahl erst
nach mehr als 5-7 Vermehrungsschritte erreicht, werden die Hefen
zunehmend erschöpft, was wiederum die nachfolgende Gärleistung
im Gärbottich erheblich beeinträchtigt. Nachdem die
optimale Zellanzahl erreicht ist, hört die Hefe auf, sich
zu vermehren (Stationärphase) und konzentriert ihre Aktivität
nun auf die Bildung von Alkohol (Gärung). Es ist von entscheidender
Bedeutung, dass die Hefe in den Gärbottich überführt
wird, ehe sie die Stationärphase erreicht. Anderseits muss
verhindert werden, dass die Hefe zu früh, d.h. noch ehe sie
sich optimal vermehrt hat, in den Gärbottich gelangt. Diesen
optimalen Zeitpunkt herauszufinden, erfordert einige Erfahrung;
der Brennmeister richtet sich dabei nach Geruch und Optik der
Maische.
Hinweise:
bei Trockenhefen sollte eine Rehydratisierung durchgeführt
werden, vor allem dann, wenn kurze Vermehrungszeiten wünschenswert
sind. Für die richtige Vorgehensweise bei der Rehydratisierung
siehe die Empfehlungen des Herstellers.
aus
Sicht einer optimalen Hefevermehrung nicht wünschenswert und
kontraproduktiv ist vor allem die Ansäuerung. Was die Heferückführung
anbelangt, lesen Sie bitte hier.
Zu (2) oben): Die Hefeeinsaat erfolgt möglichst bei 27
- 30 °C. Während der Vermehrung sollte sie optimal
bei 30-33 °C liegen: je höher, desto kürzer die
Vermehrungszeit.
Zu (3) oben: Dem Hefegefäß werden hinzugefügt:
1,25 -1,5 g/l SSA (schwefelsaures Ammoniak) und (möglichst)
200 mg/l Mikronahrung.
Gärbottich
Nachdem, wie oben beschrieben, das Geschehen im Hefegefäß den
Produktionsverhältnissen in Ihrer Brennerei entsprechend optimiert
wurde, ist es Zeit, sich der Optimierung der Gärung zu widmen.
Diese erfolgt in mehreren Schritten und ist entsprechend zeit-
und arbeitsaufwendig, der Aufwand aber wird durch eine deutlich
gesteigerte Alkoholproduktion belohnt.
Die Vorgehensweise im Überblick:
1. Zunächst wird der Extraktgehalt optimiert, indem man ihn
schrittweise um jeweils 1 Prozentgrad steigert. Alle anderen
Faktoren lässt man unberührt.
2. Als nächstes wird die Menge an Mikronahrung optimiert, indem
schrittweise 10% weniger hinzugefügt werden.
3. Als letzte Maßnahme wird, durch gleiches Vorgehen wie bei
der Optimierung der Mikronahrung, die Makronahrung optimiert.
Diese drei Schritte im einzelnen:
1. Optimierung des Extraktgehalts
Der Inhalt im Hefegefäß (oder ein Teil davon) wird in den Gärbottich
gepumpt wenn dieser zu etwa 10% gefüllt ist; dem Gärbottich
werden hinzugefügt: 1,25-1,5 g/l SSA und 100-200 mg/l Mikronahrung.
Hinweis: die Temperaturen der beiden Maischen (Gärmaische und
Maische aus dem Hefegefäß) müssen ähnlich sein.
Zum Zweck der Optimierung wird dann pro Ansatz der Extraktgehalt
um jewiels 1 Prozentgrad angehoben bis entweder das Ergebnis
der Gärung sich verschlechtert oder die Maische zu dickflüssig
ist. Für die folgenden Optimierungen wird dann der Extraktgehalt
um 1 Prozentgrad abgesenkt.
2. Optimierung der Menge an Mikronahrung
Pro Ansatz wird die Menge an Mikronahrung um 10% reduziert bis
sich das Ergebnis der Gärung verschlechtert. Die vor der Verschlechterung
verwendete Menge Mikronahrung wird für die weitere Optimierung
der Makronahrung eingesetzt.
3. Optimierung der Makronahrung
Pro Ansatz wird die Menge an Makronahrung um 10% reduziert bis
sich das Ergebnis der Gärung verschlechtert. Die vor der Verschlechterung
verwendete Menge Makronahrung ist die optimale.
Weitere Verbesserungen zwecks einer optimalen Gärung:
- Kühlung. Je nach Extraktgehalt, sollte die Temperatur im Gärbottich
35-37 °C nicht überschreiten.
- Rührwerk: der besseren Temperaturverteilung im Gärbottich
dienlich ist ein Rührwerk. Dadurch werden für die Hefe tödliche
Temperaturen im Kernbereich des Gärbottichs vermieden.
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